Handelsängste bleiben trotz besserer Daten bestehen

Die deutsche Industrieproduktion erholte sich im Mai, was darauf hindeutet, dass Europas größte Volkswirtschaft nach einem schwachen Jahresauftakt wieder Fahrt aufnimmt. Doch Finanzminister Olaf Scholz warnte davor, dass ein eskalierender Handelskrieg das Wachstum belasten könnte.

Die vom Statistischen Amt am Freitag veröffentlichten Daten zeigen, dass die Produktion um 2,6 Prozent gestiegen ist, der höchste Anstieg seit November. Die Leistung übertraf eine Reuters-Prognose von 0,3 Prozent und war erst der zweite Anstieg in diesem Jahr. Der Wert für April wurde auf einen Rückgang von 1,3 Prozent, nach einem zuvor gemeldeten Rückgang von 1,0 Prozent, revidiert. „Die Kombination aus einem guten Auftragsbestand und einem umfangreichen Auftragsbestand im Mai signalisiert, dass die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe weiterhin verhalten positiv ist“, heißt es in einer Stellungnahme.

Finanzminister Scholz warnte, dass die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Zölle auf Waren zu erheben, die von Handelspartnern wie China und der Europäischen Union importiert werden, allen schaden würde. „Wenn wir die Zölle eskalieren würden, würde dies auch den Vereinigten Staaten massiv schaden“, sagte er auf einer Pressekonferenz. Scholz verteidigte seine Ausgabenpläne vor der Kritik, sie seien zu sparsam für eine seit 2010 wachsende Wirtschaft, da Risiken im Zusammenhang mit dem ausufernden Handelskrieg eine sorgfältige Finanzplanung erforderten.

Normales Wachstum angestrebt

Trotz der Unsicherheiten im Ausland erhält die deutsche Wirtschaft Impulse vom Konsum und der Bauwirtschaft. Eine Aufschlüsselung der Produktionsdaten zeigte, dass die Aktivität im Konsumgüter- und Bausektor am lebhaftesten war. Marktanalysten sind sich einig, dass die positiven Daten für die Wachstumsaussichten in der zweiten Jahreshälfte sprechen.

„Nach einer langen Zeit der Enttäuschung brachte diese Woche endlich ein paar Lichtblicke in die deutsche Wirtschaft“, so ein Analyst. „Es sieht zunehmend so aus, als befände sich die Wirtschaft im Übergang zu normaleren Wachstumsraten.“

Steigende Reallöhne, höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Renten sowie ein robuster Arbeitsmarkt dürften den Aufschwung zumindest kurzfristig stützen.

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